Sue Johnson

Sue Johnsons Beitrag zur Psychotherapie ist es, ein klares, generelles und praxisnahes Modell zu kreieren, das auf effektive Weise den systemischen und experientiellen Ansatz kombiniert, wobei Bindung das organisierende Prinzip in der Persönlichkeitsentwicklung ist und emotional durchlebte dyadische Begegnungen die Treibkraft von Heilung sind.

Sue Johnsons Beitrag zu der Psychotherapie

Sue Johnson (* 19. Dezember 1947) ist die Begründerin der bindungsbasierten emotionsfokussierten Therapie (EFT). Nach ihrem Studium in englischer Literatur, entscheidet sie sich aus England nach Kanada zu migrieren. Im Jahre 1984 schloss sie ihr Studium an der University of British Columbia mit einem Doktortitel in einem Spezialgebiet der Psychologie, das sich mit der Anwendung von Beratungsprozessen beschäftigt, ab. Ihr Artikel „The differential effects of experiential and problem solving interventions in resolving marital conflicts.“ (Johnson, S. M., & Greenberg, L. S., 1985) wird als Anfang der EFT gesehen.

Wie üblich in der Familientherapie hat auch Sue Johnson Sitzungsaufzeichnungen als Kernbestandteil des Entwickelungs- und Ausbildungsweges gesehen. Dieser Fokus führte zu einer Reihe von Training-DVDs, wo die erste „Nr. 1: Healing broken bonds“ mit Mark & Prue aus dem Jahr 1993 lange eine der meistbenutzten Aufzeichnungen auf EFT-Basistrainings war.

Das erste Buch zu EFT ist Sue Johnsons Buch „The Practice of Emotionally Focused Couple Therapy - Creating Connection“ aus dem Jahr 1996. Die 3. überarbeitete Neuauflage wird auf Deutsch als „Praxis der Emotionsfokussierten Paartherapie - Verbindungen herstellen“ durch Junfermann im Jahr 2021 herausgegeben.

Zusammen mit ihr Mann, John Douglas, und ihre Kolleginnen Gail Palmer und Alison Lee gründet Sue Johnson im Jahr 1998 das ICEEFT, International Centre for Excellence in Emotionally Focused Therapy.

Johnsons jahrzehntelange Forschung ist in ihrem im Jahr 2008 erschienenen Buch „Hold Me Tight“ dokumentiert. Das Buch für Paare wurde zum Sprungbrett für ein innovatives Programm, genannt „Hold Me Tight: Conversations for Connection“ (auf Deutsch bei Junfermann "Halt mich Fest", 2019). Etwa Anfang April 2021 wurden über 1.000.000 Exemplare des Buches verkauft.

In Jahr 2016 wird Sue Johnson durch die American Psychological Association (APA) als Familienpsychologin des Jahres für ihren herausragenden Beitrag im Bereich der Paar- und Familientherapie geehrt.

In Jahr 2017 bekommt Sue den „Order of Canada“ - Kanadas höchste Auszeichnung für Zivilpersonen. Sue erhielt diese Auszeichnung in Anerkennung für ihren Paradigmenwechsel, ihre innovative Arbeit in Paar- und Familientherapie-Interventionen, ihre Forschung und ihren Beitrag zur Ausbildung von Psycholog*innen auf der ganzen Welt sowie für ihre beliebten Bildungsbücher und -programme für die Öffentlichkeit.

Von Anfang an wurde EFT für Paare und auch für Einzelpersonen und Familien angewendet. Im Fokus stand jedoch vor allem der Einsatz für die Paartherapie. Sue Johnsons Magnus Opus „Attachment Theory in Practice“ (2019) präsentierte als erstes Buch die vollständige EFT-Landschaft und ihre Grundlage in der Bindungstheorie (auf Deutsch bei Junfermann "Bindungstheorie in der Praxis", 2020).

Sue Johnsons Beitrag zur Psychotherapie ist es, ein klares, generelles und praxisnahes Modell zu kreieren, das auf effektive Weise den systemischen und experientiellen Ansatz kombiniert, wobei Bindung das organisierende Prinzip in der Persönlichkeitsentwicklung ist und emotional durchlebte dyadische Begegnungen die Treibkraft von Heilung sind. Dass sie neben diesem wissenschaftlich fundierten psychotherapeutischen Durchbruch auch eine effektive Methode, die von Millionen Menschen weltweit angewendet wird, geschaffen hat, ist eine Leistung ohne Vergleich. Ihre Arbeit zeugt von außergewöhnlichem Mut, sowohl, im Zeitalter der Individualisierung, in ihrer Betonung auf Bindung, als auch in ihrer Anwendung des Parsimonie-Prinzips und in der Kraft zum kritischen Überarbeiten der eigenen Ideen.

Vorträge und Interviews (Auswahl)